DEUTZER APPELL

DEUTZER APPELL zum Erhalt und zur zukünftigen Nutzung des ehemaligen Geländes der Klöckner-Humboldt-Deutz AG in Köln-Mülheim

Verfasser: Kunst- und Wissenschaftbeirat des Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste

An: alle maßgeblichen politischen Entscheidungträger*innen am 19.11.2019 

  • Dipl.-Psych. Judith Behmer – Mitglied der Geschäftsführung rheingold institut
  • Prof. Dipl.-Ing. Paul Böhm – Architekt, Architekturbüro Paul Böhm; Institut für Entwerfen-Konstruieren-Gebäudelehre, TH Köln 
  • Prof. Dr. Christof Breidenich – Professor für Mediendesign, bundesweiter Studiengangleiter Design, Hochschule Macromedia, Campus Köln 
  • Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Hans-Joachim Gehrke – Präsident a.D. des Deutschen Archäologischen Instituts, Berlin; Professor für Alte Geschichte, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 
  • Prof. em. Dr. Walter Buschmann – Lehrauftrag Industriedenkmalpflege RWTH Aachen University; Vorstandsvorsitzender Rheinische Industriekultur e. V. 
  • Dr. Winfried Gellner – ehemaliger Kulturamtsreferent; ehemaliges Mitglied im Theaterbeirat der Stadt Köln 
  • Anke von Heyl – Kunsthistorikerin, Museumspädagogin, Autorin 
  • Prof. Dr. Uwe Schneidewind – Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer der Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH; Professor für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit 
  • Dr. Ulrich S. Soénius – Stellvertretender Hauptgeschäftsführer IHK Köln; Vorstand und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln

DEUTZER APPELL – Kunst- u. Wissenschaftsbeirat

Das Areal der Klöckner-Humboldt-Deutz AG mit den ehemaligen Sozial- und Verwaltungsgebäuden, der Gießerei und der denkmalgeschützten Möhringhalle in Köln-Mülheim im Stadtentwicklungsplan kurz "Otto und Langen-Quartier") ist ein für Köln in vielerlei Hinsicht einzigartiger Ort. Es ist das einzige Areal im ehemaligen Industriegebiet des Mülheimer Südens, das noch großteils zusammenhängend in seinem historischen Bestand erhalten ist, mit einer überragenden historischen Bedeutung als Geburtsort des von Nicolaus August Otto erfundenen Viertaktmotors. Durch die Inwertsetzung der Sozial- und Verwaltungsgebäude durch das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste sind die Räumlichkeiten und die Geschichte dieses Ortes in den letzten Jahren über 60.000 interessierten Bürger*innen zugänglich geworden. Dies zeugt von einem großen Interesse an der einstigen Bedeutung und der zukünftigen Gestaltung des Quartiers in der Kölner Bürgerschaft.

Als Kunst- und Wissenschaftsbeirat des Deutzer Zentralwerks der Schönen Künste, als Expert*innen in verschiedenen Belangen der Stadtentwicklung und nicht zuletzt als Bürger*innen der Stadt Köln appellieren wir an Sie als maßgebliche(n) politische(n) Entscheidungsträger(in), sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Areal der Klöckner-Humboldt-Deutz AG in Köln-Mülheim einzusetzen und eine sanfte und partizipative Entwicklung aktiv zu unterstützen.

Niemand will dabei eine Musealisierung der Anlage. Es geht vielmehr um eine angemessene Lösung, die sich an Projekten wie der ZECHE ZOLLVEREIN oder dem LANDSCHAFTSPARK NORD in Duisburg (Hüttenbetrieb-Meiderich) orientiert. Mehr noch könnte das KÖLNER CARLSWERK als Richtschnur dienen. Internationale Beispiele wären in Frankreich die ÎLE DE NANTES, eine zur Stadt Nantes gehörende 256 ha große Loireinsel , das Hüttenwerk BELVAL-OUEST in Luxemburg (Esch-sur-Alzette)  oder das RDM-GELÄNDE im Hafen Rotterdam . Wir befürworten einen urbanen Nutzungsmix unter weitgehender Berücksichtigung der historischen Bausubstanz und unter Zufügung erstklassiger Neubauten. Ganz besonders setzen wir uns ein für eine Zusammenführung von Kunst und Stadtentwicklung, wie sie in vorausgegangenen Zukunftswerkstätten ‚LAB1869‘ und ‚Zeitspiralfedern‘ auf dem Gelände der Gasmotorenfabrik Deutz schon lebendig wurde. Hier hat sich fast naturwüchsig diese Kombination aus Stadtentwicklung und Kunst ergeben, um in einem behutsamen städtebaulichen Prozess die Themen Wohnen, Arbeiten, Mobilität und Ökologie zusammenzuführen. 

Wir appellieren an Sie, einen solchen zukunftsfähigen Ansatz der Quartiersentwicklung zuzulassen und damit  ein Zeichen für eine Form der Stadtentwicklung zu setzen, die eine Gemeinwohlrendite für Kölnerinnen und Kölner ins Zentrum stellt.

Zudem ist die Zukunft der Gasmotorenfabrik Deutz durch die Verkaufsabsichten eines der dort bisher engagierten privaten Grund- und Gebäudeeigentümers in hohem Maße gefährdet. Auch dieser Teil der Gesamtanlage sollte nicht allein finanziellen Verwertungs- und individuellen Gewinninteressen unterworfen sein.  Die Möglichkeit, das NRW-Urban-Gelände und die überwiegend denkmalgeschützten Gebäude an der Deutz-Mülheimer Straße in einer Hand zu vereinen, ist eine große Chance für eine für Köln Akzente setzende Quartiersentwicklung. Dadurch wäre eine zusammenhängende Entwicklung des Geländes möglich. Eine sich abzeichnende Interessenkollision zwischen zwei widerstreitenden Investoren könnte verhindert werden. Diesem Anliegen ist dieser Appell hauptsächlich gewidmet:

Wir halten es für geradezu geboten, dass die Stadt Köln an diesem für Köln und weit darüber hinaus so geschichtsträchtigen Ort und in dieser Situation ihr Vorkaufsrecht für die zum Verkauf anstehenden Bauteile und Flächen nutzt. 

Wenn es zusätzlich gelingt, auch die Flächen von NRW-Urban in städtisches Eigentum zu überführen, wäre dann eine optimale Grundlage für eine wegweisende Entwicklung gegeben. Nur mit dieser Voraussetzung wird es möglich sein, ein Quartier zu schaffen, in dem die architekturhistorisch und kulturell bedeutsame Substanz erhalten werden kann und das zugleich vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet, um so den einstigen Innovationsort der Motorisierung – die erste Gasmotorenfabrik der Welt – in einen Ort der Zukunftsgerichtetheit für Köln umzuwandeln. Das Land Nordrhein-Westfalen hat gemeinsam mit der Stadt Köln die Chance, einen neuen Nukleus für den rechtsrheinischen Wirtschaftsstandort zu gestalten, der Raum für Innovation und Kreativität bereitstellt und als Pendant zur nahe gelegenen Kölner Messe als Auslage für die Innovationskraft Kölns in den dort vertretenen Sektoren wirken kann.

Unterstützen Sie uns auf unserem Weg in die Zukunft OTTO-LANGEN 2.0

Ergreifen Sie gemeinsam mit uns die Chance, hier ein Leuchtturmprojekt umzusetzen, das Innovation, Kreativität, Partizipation und den respektvollen Umgang mit der Geschichte als integrative Bestandteile der Stadtentwicklung versteht und somit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus strahlen kann.

gezeichnet

  • Dipl.-Psych. Judith Behmer – Mitglied der Geschäftsführung rheingold institut
  • Prof. Dipl.-Ing. Paul Böhm – Architekt, Architekturbüro Paul Böhm; Institut für Entwerfen-Konstruieren-Gebäudelehre, TH Köln 
  • Prof. Dr. Christof Breidenich – Professor für Mediendesign, bundesweiter Studiengangleiter Design, Hochschule Macromedia, Campus Köln 
  • Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Hans-Joachim Gehrke – Präsident a.D. des Deutschen Archäologischen Instituts, Berlin; Professor für Alte Geschichte, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 
  • Prof. em. Dr. Walter Buschmann – Lehrauftrag Industriedenkmalpflege RWTH Aachen University; Vorstandsvorsitzender Rheinische Industriekultur e. V. 
  • Dr. Winfried Gellner – ehemaliger Kulturamtsreferent; ehemaliges Mitglied im Theaterbeirat der Stadt Köln 
  • Anke von Heyl – Kunsthistorikerin, Museumspädagogin, Autorin 
  • Prof. Dr. Uwe Schneidewind – Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer der Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH; Professor für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit 
  • Dr. Ulrich S. Soénius – Stellvertretender Hauptgeschäftsführer IHK Köln; Vorstand und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln