ZEITSPIRALFEDERN FESTIVAL #2

  • _DSC9107.jpg

13. September - 10. Oktober 2019 | Ein Transdisziplinäres Festival im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste | Otto und Langen Quartier

Basierend auf den in den letzten acht Jahren durchgeführten Projekten sowie vor dem Hintergrund der europaweiten Ausschreibung des Geländes "Otto und Langen Quartier" seitens NRW.Urban richtet raum13 mit den künstlerischen Projekten seit 2018 den Fokus auf einen kollaborativen Planungsprozess zur Entwicklung eines Quartiers mit menschlichem Maßstab, in dem Kunst und Kultur als auch bürgerschaftliche Beteiligung nachhaltig, sprich von Anfang an, statt nachträglich oder nur symbolisch mit einbezogen werden.

Die Frage „Wie wir in Zukunft gemeinsam leben wollen? wurde in 2019 bereits zum zweiten Mal im Rahmen des vierwöchigen Werkstattformates LAB 1869 ZUKUNFTSWERK STADT #2 mit 67 involvierten Expert*innen aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Architektur und Stadtplanung sowie mehr als 500 engagierten und interessierten Bürger*innen diskutiert und mit künstlerischen Herangehensweisen neu beleuchtet. Die Prozesse werden derzeit gebündelt und dokumentiert. Ziel ist es, durch die Veröffentlichung der einzelnen Arbeitsschritte dieses Laboratoriums sich aktiv am Stadtentwicklungsprozess zu beteiligen und exemplarisch an diesem Quartier die Kernfragen der Stadt sichtbar zu machen.

Für das Festival Zeitspiralfedern werden die transdisziplinären Ergebnisse künstlerisch transformiert und so ein sinnlich erfahrbares Ereignis. Im Zentrum des Festivals stehen die Uraufführungen. Um diesen Nukleus der Zeitspiralfedern werden zahlreiche weitere Formate angeboten, unter anderem inszenierte Führungen, performative Stadt-Parcours, akustische Rauminstallationen und theatrale Werkstätten mit herausragenden Vertreter*innen verschiedenster Disziplinen.

Der Zeitplan

Frei, 13.09. - 19:30 h Uraufführung Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste_Das Buch mit raum13 Kolacek & Leßle, Reiner Linke & Maf Retter (Drums off Chaos) Hans Joachim Irmler, Carl Friedrich Oesterheldt, Salewski u.v.m.

Frei, 20.09. - 19:30 h Inszenierte Führung zum Gesamtkunstwerk Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste mit Anja Kolacek und Marc Leßle 

Sa, 21.09. - 19:30 h Theatrale Werkstatt zum Gesamtkunstwerk Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste mit Prof. Dr. Christof Breidenich

So, 22.09. - 15:00 h Performativer Stadtparcours mit Prof. Dr. Christof Breidenich

Frei, 27.09. - 19:30 h Theatrale Werkstatt zum Gesamtkunstwerk Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste mit Barbara Schachtner

Sa, 28.09. - 19:30 h Inszenierte Führung zum Gesamtkunstwerk Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste mit Anja Kolacek und Marc Leßle

So, 29.09. - 15:00 h performativer Stadtparcours mit Prof. Dr. Walter Buschmann

Frei, 4.10. - 19:30 h Uraufführung Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste_Das Internet mit raum13 Kolacek & Leßle, WAGNER a.k.a. MademoiselleX & Operator1

Sa, 5.10. - 19:30 h Theatrale Werkstatt zum Gesamtkunstwerk Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste mit Wolfgang Stoecker

So, 6.10. - 15:00 h Inszenierte Führung zum Gesamtkunstwerk Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste mit Prof. Dr. Walter Buschmann

Karten: 12€/8€ ermäßigt ticket@raum13.com

raum13 Zeitspiralfedern Festival #2

Thematischer Schwerpunkt und Untersuchungsgegenstand dieser mehrspurigen, rhizomatischen Zeitspiralfedern ist der gesellschaftliche Wandel von der Frühindustrialisierung bis in die gegenwärtige 4.0. Revolution.

Den Ankerpunkt und den Rahmen bildet das Gesamtkunstwerk Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste, ein reichhaltiger Resonanzraum, den sich raum13 seit nunmehr acht Jahren künstlerisch einverleibt hat. Mit der Stilllegung dieser Industriewerke, die die Entstehung des Otto-4-Taktmotors sahen und somit den auto-mobilen Lebensstil der Moderne maßgeblich prägten, geht eine Ära zu Ende. Gleichzeitig stehen diese ehemaligen KHD-Werke exemplarisch für den gesellschaftlichen Wandel – bis in die Zukunft. In Köln-Mülheim entsteht derzeit ein ganz neuer Stadtteil; und in dessen Herz ein Möglichkeitsraum, der mit künstlerischen Utopien aktualisiert werden kann und soll – sei es über die Art, wie wir leben, wohnen und arbeiten wollen oder etwa über gemeinschaftlich statt individuell durchdachte Mobilitätskonzepte.

Die Zeitspitalfedern

Es wird gefragt, inwiefern sich die Geschichten früherer Generationen in unserem gegenwärtigen und zukünftigen Handeln wiederholen? Inwieweit ist dieser Prozess als Wiederholungsschleife, als Loop zu verstehen? Oder verläuft er spiralförmig? Ist er überhaupt als ein Verlauf zu sehen? Inwiefern spannt sich zwischen gesellschaftlich und individuell bedeutsamen Ereignissen eine von uns allen (re-)produzierte, retroaktive Feder auf? Wann zieht sie sich warum zusammen? Wann und wie dehnt sie sich? Inwieweit können Zeitspiralfedern dazu beitragen, die Gleichzeitigkeit unserer multiplen, intersubjektiven Gegenwarten ausdrücken zu können, um zu einem demokratischen Diskurs (zurück) zu finden?

Das Bild der dreidimensionalen Zeitspiralfedern entspringt dem geschichts-soziologischen Gedanken, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht ausschließlich chronologisch zu betrachten sind, sondern die Zeiten aus den verschiedenen gesellschaftlichen Blickwinkeln in Abhängigkeiten gesetzt sind, die sich rein linear nicht vollständig begreifen lassen. Diese Abhängigkeiten — Zwischenräume — werden folglich nur durch den durchlässigen Körper der Spiralfeder plastisch darstellbar. Die zum Teil irrationale Betrachtung historischer Umbrüche und Phänomene im Rahmen der Gegenwart kann durch das Bild der Spiralfedern unmittelbar sichtbar werden. 

Die
 Uraufführung


Auf die Frage, wie dieses Quartier mit menschlichem und künstlerisch nachhaltigem Maßstab geschaffen werden kann, zeigt das Buch und der neue Internetauftritt eine ästhetische Umsetzung und eine mögliche Antwort auf. Schöpfend aus unserem ausführlichen Fundus an Recherchen in Literatur, Fotomaterial, Stadtarchiv, Industriedokumentation, ergänzt durch festgehaltene Interviews mit Zeitzeug*innen und Expert*innen, arbeiten wir an der Sichtbarmachung des innewohnenden Potentials des Otto und Langen Quartiers. So begegnen zukünftige Bewohner*innen professionellen Tänzer*innen und Schauspieler*innen, ehemalige Fabrikarbeiter der KHD-Werke Wirtschaftswissenschaftler*innen und Historiker*innen, Passant*innen Architekt*innen und Kulturwissenschaftler*innen. Aus diesen Begegnungen entsteht eine produktive Überlieferung der Kollektivgedächtnisse, aus der eine lebenswerte, kollektive Zukunft für den Stadtteil geschrieben werden kann.

Die 
inszenierte Führung

Reisen durch die Zeit von heute über das Gründungsjahr der Motorenwerke 1869 hin zu seiner sich stetig verflüssigenden Zukunft. Hier in der Gasmotorenfabrik Deutz begann im 19.Jht. mit der Erfindung des Ottomotors die Weltmotorisierung.  In einem persönlichen Rahmen wird sowohl die Geschichte des faszinierenden Gebäudekomplexes der ehemaligen Klöckner Humboldt Deutz Werke erlebbar, als auch die Entwicklung hin zum heutigen raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste durch die Arbeit von Anja Kolacek und Marc Leßle. Schichten der Vergangenheit werden freigelegt und in ständig neue Bezüge zur Gegenwart gesetzt, um so den Besucher zu kritischer Analyse auch in Bezug auf die Zukunft zu motivieren.

Der 
performative 
Stadt-Parcours

Performative Rundgänge durch die Historie zur Erhaltung der Zukunft.  Wie kann man die Vergangenheit als ehemalige Zukunft fassen um Aussagen über  Wahrscheinlichkeiten, Möglichkeiten und Gestaltung aktueller Zukunft zu filtern? Warum sind die meisten von Menschen erhofften und erdachten Zukünfte nicht eingetreten? Im Rahmen des Zeitspiralfedern Festivals sind Experten aus den Bereichen Stadtentwicklung, Denkmalschutz, Kunst, Kultur und Philosophie sowie Bildung aufgefordert aus ihrer jeweiligen Perspektive diese Fragen zu beleuchten. Die Vertreter*innen der einzelnen Disziplinen werden in inszenierten Stadtspaziergängen ihren persönlichen Fokus und ihren Blick auf die Stadt von heute und den darunterliegenden Erinnerungen und Spuren der Vergangenheit offenlegen. Durch die individuell und unabhängig voneinander eingeschlagenen Pfade entstehen Bodenmuster, die wie Kreise und Zirkel den Stadtraum bespielen.

RAUM13

Als Akteur im Schnittfeld zwischen Kunst und Stadtgesellschaft arbeitet raum13 an der Produktion von Zwischen-Räumen als Begegnungsräume, die nicht nur Schichten der Vergangenheit zum Vorschein bringen, sondern auch eine ebenfalls vielschichtige Stadt-Utopie skizzenhaft gestalten. Auf Stadt bezogen, bieten Zwischen-Räume Antworten auf die Frage, wie wir gemeinsam leben wollen. Konkrete Fragestellungen, die mit künstlerischen Herangehensweisen neu beleuchtet werden, reichen von der Zukunft von Mobilität und Arbeit hin zu der Schaffung neuer Bildungs- und Wohnlandschaften.

raum13 wurde 2007 von Anja Kolacek (Regisseurin, Choreografin und Kulturmanagerin) und Marc Leßle (Bühnen-, Video- und Lichtgestalter) gegründet und versteht sich als rhizomatischer Organismus experimenteller und politischer Kunst, der die klassischen Grenzen des Theaters sprengen will. Obwohl der persönliche Werdegang und die beruflichen Erfahrungen aus dem klassischen Blackbox - Theater stammen, sehen Anja Kolacek und Marc Leßle ihre heutige und zukünftige künstlerische Arbeit als Theater, aber nicht im Klassischen Format an. Das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste ist ein Gesamtkunstwerk an der Schnittstelle von Stadtgeschichte und Stadtentwicklung.

Seit 2011 transformiert raum13 über künstlerische Einzelprojekte das ehemalige Verwaltungsgebäude des einstigen Weltkonzerns Klöckner-Humboldt Deutz in das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste und zukünftige Theaterquartier. Durch die unbewussten Hinterlassenschaften des Konzerns, entsteht ein unschuldiger Charme durch den künstlerische Prozesse regelrecht provoziert werden und künstlerischen Arbeiten ein sinnästhetisches, zu bearbeitendes Zuhause geboten wird.

Das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste ist keine reine Ortsbezeichnung für Räumlichkeiten im Rechtsrheinischen, sondern vor allen Dingen ein Ort, an dem Räume erst ausgehandelt und im sozialpolitischen Sinne produziert werden. Das Anliegen von uns besteht gerade darin, Räume zu re-organisieren, ihre Struktur zu de-konstruieren und von dort künstlerische Prozesse freizusetzen. Hierdurch können neue Theaterräume performativ/aktiv generiert werden, die sich fernab von traditionellen Guckkastenbühnen bewegen.

Grundlage der Beschäftigung mit dem Raum, sind die Thesen von Henri Lefébvre - Die Produktion des Raums. Lefèbvres Raumauffassung beinhaltet eine Kritik der vorherrschenden Diskurse des Raumes. Lefèbvre wendet sich sowohl gegen rein gedankliche Konzeptionen von Raum, die ihn entweder mathematisch definieren oder zum Raum philosophischer Theoriebildung erheben, als auch gegen rein ästhetische Auffassungen von Raum, die in ihm einen bloßen Behälter sehen, der seinem Inhalt gegenüber gleichgültig ist, oder die Raum mit den in ihm befindlichen Gegenständen gleichsetzen. Beide Diskurse, der gedankliche wie der ästhetische sind ideologisch, da sie sich lediglich auf Erdachtes oder Sichtbares beziehen, ohne die Voraussetzungen der Herstellung von Raum zu thematisieren. Zentraler Ausgangspunkt von Lefèbvres Forschungen ist somit die These, dass Raum vor allem gesellschaftlicher Raum und damit ein gesellschaftliches Produkt ist.

 

Aufführungen

Fr 13. Sep - 19:30 Uhr Fr 20. Sep - 19:30 Uhr Sa 21. Sep - 19:30 Uhr So 22. Sep - 15:00 Uhr Fr 27. Sep - 19:30 Uhr Sa 28. Sep - 19:30 Uhr So 29. Sep - 15:00 Uhr Fr 4. Okt - 19:30 Uhr Sa 5. Okt - 19:30 Uhr So 6. Okt - 19:30 Uhr

Tickets reservieren.










Vorbestellte Tickets müssen spätestens eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung an der Abendkasse abgeholt werden, danach gehen sie in den freien Verkauf. Für den Fall, dass wir eine Veranstaltung absagen müssen und keinen Ersatztermin für diese Veranstaltung anbieten können, erstatten wir ggf. schon gezahlte Eintrittsgelder. Weitere Ansprüche sind ausgeschlossen, Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit ausgenommen.