DAS LAND UTOPIA 2016

raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste | UA 10. Dezember 2016 - 19:30 h 

11., 17., 18., 29., 30. Dezember 2016 jeweils 19:30 h

Theatrale Installation von und mit: Max Bender, Katja Gehrke, Karl Hilmes, Martina Kock, Anja Kolacek, Marc Leßle, Andreas Pocholke, Sandra Quell 

Dauer: 2 Stunden 

Auszug aus der Nachtkritik von Amia:

Eine Theaterproduktion, die mein Innerstes und alle meine Sinne berührt!

Ca. 100 Theaterbesucher haben sich mit mir in einem hell erleuchteten Foyer versammelt. Ein Meer von Blumen umringt uns. Der Duft ist fantastisch.

Aus einem Lautsprecher tönt es eindringlich: "Ein Otto-Motor-Museum in Zeiten von Klimawandel und E-Mobilität wird Köln eher Spott einbringen. Ausgerechnet jetzt die Verbrennungsmaschine angemessen feiern. Nun. Düsseldorf würde schmunzeln…"

Jetzt gehen Türen zu allen Seiten auf. Fünf Darstelrinnen/Türöffnerinnen bilden den Chor und stimmen uns mit einem Zitat von Oscar Wilde (Ende 19. Jahrhundert) rythmisch ein: „ Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient, keinen Blick, denn sie lässt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird. Und wenn die Menschheit dort angelangt ist, hält sie Umschau nach einem besseren Land und richtet ihre Segel dahin. Der Fortschritt ist die Verwirklichug von Utopien.“

Und so betrete ich das Land Utopia. Es heißt immer wieder: Take your Time. Nicht enden wollende Flure und Gänge wechseln sich mit Kellergewölben und großen weißegetünchte Hallen ab. Videoinstallationen wecken mein Interesse ca. 80 Menschen liegen wie im Paradies nackt auf einer grünen Blumenwiese und liebkosen einander. Das Bild von der Eingangshalle fällt mir wieder ein. Wir, die Zuschauer waren die Darsteller der Ouvertüre. Eine andere Installation drängt sich auf, sie zeigt rätzelhafte düstere Fabelwesen. Himmel und Hölle nebeneinander. In meinem Kopf entspringt der Name Hioronnimus Bosch: Symbolhaftigkeit in den alten KHD Hallen, Zwitterwesen und Tiere die Botschaften transportieren.

Mein Innerstes ist angesprochen, das Werk stellt mir Fragen. Ich schaue mich um. Mittlerweile bin ich allein, wo sind die anderen geblieben? Geht es hier um meine ganz eigene Utopie? Ich laufe weiter und begegne einem jungen Mann, der überall mit Ruß bedeckt ist. Ist das jetzt inszeniert? Ich bekomme Angst bis er anfängt zu sprechen: "Die Utopie wäre ja hier diese diesen Raum entstehen zu lassen, wo diese verschiedenen Sachen ähm möglich sind .. von Bildung über äh Zukunftsplanungen, Junge Handwerker, was auch immer äh wohnen, arbeiten, Kultur..."

Der Mann verlässt den Raum. Ich denke: " Ja, die Welt ändert sich und steht vor immensen Herausforderungen. " "Wie wollen wir leben?" steht in großen Leuchtbuchstaben vor mir. Ein Flugzettel wird durch ein offenes Fenster geworfen, es ist zu lesen: Die Generation Y, also die die von 1980 bis 2000 Geborenen, werden 2025 rund 75 % der arbeitenden Bevölkerung ausmachen. Das Y steht für WHY. Wie soll die Welt aussehen? Wie wollen wir arbeiten? Wie wollen wir leben und überleben in Zeiten von Klimawandel und disruptiver Entwicklungen? Globalisierung, Digitalisierung und all die schon 1972 vom Club of Rome in die Diskussion gebrachten Grenzen des Wachstums. Es gibt Think Tanks weltweit, die sich mit solchen Themen beschäftigen. Nur gibt es die auch in Köln?

In der Ferne höre ich Diskomusik. Ich laufe in den Stropuskop Raum. Viele der anderen Gäste tanzen und trinken. Soll ich mitmachen und Teil der Ausstellung werden? Zuschauer und Darsteller zugleich, ich bin fasziniert und erleben einen reichhaltigen Abend, der mir viele Antworten und Fragen über die momentan wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben mit auf dem Weg gibt. Wie möchte ich wohnen, arbeiten, alt werden? Wie können wir aus dem gestern die Zukunft beschwören.

Diese Inszenierung schafft Raum für Zukunft. Sie schafft einen Ort der Hoffnung. Lässt Gedanken frei, öffnet neue Wege und Lösungen. 

Sie bricht mit dem Konventionellen und lässt neue Räume entstehen - die wirklich gebraucht werden. Gedanken- und Entwicklungsräume.
„In the future, companies that make no contribution to the common welfare will disappear.“
Wir leben in Zeiten der Veränderung und es würde uns gut zu Gesicht stehen, uns dieser Veränderung mit Kreativität und neuen Ideen auf allen Ebenen zu stellen. Das Gelände in Deutz Mülheim mit dem Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste ist ein Ort an an dem dies geschieht. Bleibt zu hoffen, dass Politik und Verwaltung den Schritt ins 21. Jahrhundert schaffen. Das Land Utopia 2016 hat den Sprung in die Zukunft bereits geschafft und wird nach ca. 2 Stunden mit einem langanhaltenden Applaus bedacht.