DER SÄKULARE DOM

Seit sieben Jahren arbeiten wir bereits an einem „säkularen Dom“ im rechts­rheinischen Köln – einem offenen und fragenden Ort der Reflektion des welt­lichen/industrialisierten Köln. Dieses Monument der Mobilisierung, gebaut ab 1869, steht in direkter zeitlicher und gesellschaftlicher Verbindung zur Fertigstellung des Doms 1880 im linksrheinischen Köln und ist so­mit, wie sein geistliches Pendant, ein Teil unserer heutigen pluralistischen Wertevorstellung.

Unser thematisches Konzept „raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“ der letzten sieben Jahre und für die Zukunft in der ehemaligen Haupt­verwaltung der KHD und weltweit ers­ten Gasmotorenfabrik war und ist es, exemplarisch die Zusammenhänge von Industrialisierung 1.0 – Industrialisie­rung 4.0 und dem zeitgleich ablaufen­den gesellschaftlichen Wandel der letz­ten 150–200 Jahre zu durchleuchten und in Zusammenhang zu bringen. 

Wir arbeiten transdisziplinär an den Phänomenen unserer Zeit und versu­chen durch den andauernden Pers­pektivenwechsel der Disziplinen einen polydimensionalen Raum der Ereig­nisse und der Zeit zu produzieren, der einerseits Kunst und Theater in seiner Ausdrucksform stärkt, als auch einen generationenübergreifenden außer­schulischen Lernraum erzeugt,indem Menschen komplexe Zusammen­hänge hautnah erleben können. 

Unsere begehbare theatrale Installa­tion auf 8000 qm soll als eine Werkstatt der Künste und der Wissenschaften verstanden werden. In dieser Werk­statt treffen, diskutieren und arbeiten Menschen aus allen gesellschaft­lichen Bereichen. Der raum13 ist ein integrierendes Kunstprojekt, das auf gesellschaftliche Herausforderungen bzw. Phänomene reagiert und den so­genannten Hochkulturcharakter eben­ so im Blick hat wie die kulturelle bzw. künstlerische Basis. Strukturell muss der raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste mit Themen wie Bil­dung, Kreativwirtschaft, Stadtentwick­ lung und Teilhabe verknüpft werden.

Die größte kulturelle Aufgabe in einer rasant wachsenden Stadt wie Köln ist es, Freiräume zu schaffen; nicht nur physisch, sondern auch im Geis­te. Gerade hier im rechtsrheinischen Köln, an solch einem historisch und energetisch aufgeladenen Ort der Er­findung und Entwicklung, einem Ort des Denkens und der Arbeit, ist ein kreativer Ort entstanden, der mit rela­tiv wenig Mitteln in den letzten 5 Jah­ren außerordentliche, auch überregi­onale Reputation erreicht hat. Diese Skizze, weitergedacht und in einen kommerziellen Kontext gestellt, ist bundesweit einzigartig. 

raum13 – Werkstatt und Marktplatz 

Was wären die Orte, an denen sich eine andere Form von Öffentlichkeit Raum verschafft, an die alle, auch die Leute aus den Vorstädten, gern kommen, an denen Integration und Bildung und all die Gemeinschaftserlebnisse stattfin­den, die neben Arbeits­ und Aufstiegs­möglichkeiten entscheidend sind für eine funktionierende Gesellschaft?

raum13 – der Orte zum Leben erweckt 

Was kann ein Kunst­ und Kulturort heute für eine Stadt sein? Die Art, wie wir heute ein Museum oder ein Theater benutzen, ändert sich. Vie­le kommen nicht mehr nur um Kunst zu sehen: Heute sieht man Menschen mit Laptops und Mobiltelefonen auf den Dachterrassen und in den großen Hallen sitzen, sie nutzen das Museum als ein kollektives Wohnzimmer. Das Öffentliche und das Intime; Privates findet am selben Ort statt. Könnte das Museum da wieder das werden, was es ganz früher war in der Antike, als es kein Einzelbau war, sondern ein gan­ zes Stadtviertel, in dem Gaukler auf­traten, Bürger flanierten und Erzählern zuhörten und Skulpturen und Kunst­stücke bestaunten – wie sähe heute so ein Ort aus für eine Gesellschaft des 21. Jahrhunderts und ihre veränderten sozialen Rituale?

Ein Kunst­ und Kulturort kann etwas ganz Unterschiedliches sein: einmal ein Kloster, um sich aus der Stadt zurück­zuziehen, einmal eine Maschine zur Ak­tivierung der Außenwelt.

Was fehlt unseren Städten und was soll mit Steuergeldern gefördert werden – was muss der Staat seinen Bürgern und was müssen die Bürger ihren Mitbürgern bauen als Gegenräume zu den Shoppingmalls und den Mono-Quartieren? 

  • Herzliche Grüße
  • Anja Kolacek und Marc Leßle